25. Oktober 2017

Das Erbe lebt. Trotz traumatisierter Familien und deformierter Geschichtsbilder

Das Erbe lebt - Titelblatt

Der 4. Band der Reihe vertieft die familiäre und öffentliche Erinnerung an die Shoah unserer jüdischen Landsleute. Das Erbe lebt, denn familiäre und öffentliche Erinnerung an die Shoah unserer jüdischen Landsleute im südwestlichen Niederösterreich setzt voraus, dass familiäre Traumata und Tabus wahrgenommen und bearbeitet werden; dass die vorherrschenden Geschichtsbilder kritisch hinterfragt und entideologisiert werden; dass versöhnliche Versuche im jüdisch-christlichen Dialog unternommen werden.

„Trotz traumatisierten Familien und deformierter Geschichtsbilder“

Der Band wendet sich daher an die familiäre Erinnerung der LeserInnen selbst, an
ihre eigene Familiengeschichte, also an ihre Erfahrungen als Kriegskinder und
Kriegsenkel. Der 4. Band setzt sich mit den Deutungsmustern der Geschichte Österreichs auseinander und zeigt auf, inwiefern die Geschichte der jüdischen Landsleute zu unserer regionalen und österreichischen Identität gehört.

Allen Gewalten
zum Trotz sich erhalten,
nimmer sich beugen,
kräftig sich zeigen.

Neben einer Reihe weiterer und ergänzter Familiengeschichten unserer jüdischen Landsleute werden drei ihrer besonderen Exponenten vorgestellt: Hans Becker, Schwiegersohn der in Neuda/Pöchlarn engagierten Industriellenfamilie Lieser, Werbemanager des Ständestaates, Dachauhäftling und Zentralfigur des effektivsten österreichischen Widerstandsnetzwerkes O5; der Erlaufer Ernst Brod, der in über 2000 Seiten seine persönliche und politische Lebensgeschichte aufgearbeitet hat; der Psychotherapeut und Sozialpädagoge von internationalem Rang Rudolf Ekstein, dem es um die Therapie traumatisierter Kinder und um die Versöhnung mit Österreich ging. Über Eksteins Arbeitsweise mit Studenten gibt seine Biografin, die Psychologin Elisabeth Steinwendter-Oberläuter, einen Kurzbericht.

Die öffentliche Erinnerung an den Entzug von Menschenrechten und an Menschheitsverbrechen, die in unserer Region verübt wurden, braucht einen verlässlichen Rahmen. Sie muss verankert sein in einer gesamteuropäischen Erinnerungskultur und braucht bei uns in der Region verlässliche Orte und Zeiten. Dazu gehören Lernorte, Denk.Male, Zeitzeugen und Experten, aber vor allem junge Leute, die aktuell Menschenrechte hochhalten und Menschheitsverbrechen verabscheuen. Zu wenig Gerechte haben der NS-Verbrechensherrschaft widerstanden. Ihre Gewissensentscheidung, ihr Einsatz für Verfolgte und ihr Widerstand gegen die Verbrechensherrschaft sind die entscheidenden Kriterien der öffentlichen Erinnerung. Diese Gerechten waren und bleiben die Treuhänder Österreichs.

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