2013

Vorlage des fertig ausgeführten und kalkulierten Sanierungskonzeptes für den jüdischen Friedhof Ybbs/Göttsbach durch den Verein beim Beirat des Nationalfonds am 13.5.2013 im Parlament in Wien, Anerkennung als österreichisches Pilotprojekt Internationales Medienecho zur Führer-Glocke Wolfpassing
Im Sommer 2013 verkaufte die Bundesimmobiliengesellschaft BIG das Schloss Wolfpassing, ohne auf dessen historische Objekte Rücksicht zu nehmen, an ein privates Immobilienunternehmen. Hannes Kammerstätter brachte gegen die BIG beim Bezirksgericht Scheibbs die Klage auf Verstoß gegen das Verbortsgesetz durch die Weitergabe von einschlägigen nationalsozialistischen Objekten ein. Das Gericht sollte klären, ob dieser Tatbestand auch auf die mit dem Verkauf verbundene Weitergabe der Führer-Glocke zuträfe.

Damit hatte es folgende Bewandtnis: 1935 hatten Dorf- und Schlossgemeinschaft Wolfpassing zu Ehren des ermordeten Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß, der sich hier im Schloss sehr oft mit seiner Familie bei seinem Studienfreund Anton List aufgehalten hatte, eine Dollfuß-Gedächtnis- Glocke gestiftet und von der Glcokengießerei Pfundtner in Wien gießen lassen. 1938 wurde versucht, die Dollfuß-Inschrift herauszumeißeln. Weil das nicht gelang, wurde die Glocke 1939 von der Firma Pfundtner eingeschmolzen und als Führer-Glocke neu gegossen. Nach wie vor trägt sie die nationalsozialistische Inschrift: 1939 gegossen / Am 13.3.1938 befreite der Einiger / und Führer aller Deutschen/ Adolf Hitler / die Ostmark vom Joche volksfremder / Bedrückung und führte sie heim / ins Großdeutsche Reich“. Berichte in der Tageszeitung „Der Standard“, im ORF, in Regionalmedien informierten darüber, dass das Bundesdenkmalamt die Glocke als historisches „Zubehör“ des Schlosses eingestuft und für ihren Verbleib im Schloss entschieden habe, während Historiker vorgeschlagen hatten, sie in ein Museum zu übertragen. 2017 scheitere auch der Vorschlaf, sie als Leihgabe in das niederösterreichische Haus der Geschichte aufzunehmen. Im Sommer 2013 verhöhnten rechte inländische Blogger den Kläger als linken Antifa. Das internationale Echo reichte bis zum World Jewish Congress, nach Italien, Frankreich, Spanien und sogar bis nach Japan: mit Schlagzeilen wie „führer bell wolfpassing“, „cloche du führer wolfpassing“, „campana wolfpassing“.

Die in der Expertendiskussion geforderte „Zusatztafel“ wurde nicht an der Schlossfront, sondern im Dachgebälk des Glockenturmes angebracht und lautet:

„Diese Adolf Hitler gewidmete Glocke / wurde 1939 als Ersatz für eine Engelbert Dollfuß / gewidmete Glock in diesem Turm angebracht / und dokumentiert die systematische Entfernung von Denkmalen des Ständestaates durch die / Nationalsozialisten nach dem Anschluss. / Sie wurde 2013 wieder entdeckt / und soll nun als immerwährendes Mahnmal / für den Schrecken des NS-Regimes/ an dieser Stelle belassen werden.“ Ein im Dachboden verstecktes Mahnmal. Für wen? Diese Inschrift beinhaltet eine wesentliche Fehlinformation. Die Glocke wurde nicht 2013 wieder entdeckt. 2012 wurde in der Trilogie „Tragbares Vaterland“ dokumentiert, was den Orts- bzw. Schlossbewohnern von Wolfpassing längst bekannt und nur der BIG verborgen geblieben war. Außerdem: Das Wort Anschluss ohne Anführungszeichen zu schreiben, verrät wenig Sensibilität. „Die Nationalsozialisten“ ist keine präzise Aussage über die konkreten NS-Entscheidungsträger und ihre Maßnahmen.

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